Aus der Geschichte des OSC Waldniel

Der OSC Waldniel wurde am 2. Februar 1953 durch den aus Emmerich stammenden Dr. Ernst van Aaken und weiteren elf Leichtathleten gegründet. Am 21. November 1975 wurde der Verein in das Vereinsregister eingetragen.

Die Geschichte des OSC ist eng verbunden mit dem Namen van Aaken, und es ist schwer, ihn in Kurzform zu würdigen. Er setzte sich für den Langlauf der Frauen und Kinder ein und schrieb viele Sportfachbücher, von denen das Bekannteste, „Programmiert für 100 Lebensjahre“, in mehrere Sprachen übersetzt wurde. Auch sportmedizinische Bücher wurden vom ihm veröffentlicht. Kern der von ihm verfassten Theorien war die Annahme, dass man durch ein aerobes Ausdauertraining positiven Einfluss auf die Gesundheit, insbesondere auf das Herz-Kreislauf-System und auf Krebserkrankungen, nehmen kann.

Vor diesem Hintergrund propagierte Dr. van Aaken eine Ausdauer-Trainingsmethode und stand damit im Gegensatz zu dem zu jener Zeit üblichen Intervalltraining. Die Praxis zeigte sehr schnell, dass insbesondere bei den Frauen, die in Waldniel längste Trainingsstrecken problemlos liefen, diese Ausdauermethode zu sportlichen Höchstleistungen führen kann. Prominentestes Beispiel für die Anwendung seiner Ausdauermethode war Harald Norpoth (im Bild re), der mehrfacher mit Olympiamedaillen ausgezeichnet wurde.

Der Verein unterstützte Dr. van Aaken in seinem Streben nach Anerkennung des Frauenlanglaufes und so fand 1973 weltweit der erste Marathonlauf „nur für Frauen“ in Waldniel statt. Schon im folgenden Jahr fand ein vielbeachteter Länderkampf zwischen den USA und Deutschland auf der Strecke „Rund um Waldniel“ statt.

In der Sportreportage (Quelle: zdf) wurde über diese Veranstaltung berichtet:

Viele weitere Langlaufveranstaltungen schlossen sich an. Deren Höhepunkt war 1979 der 2. Internationale Avon Frauen-Marathonlauf mit Teilnehmerinnen aus 23 Nationen und 5 Kontinenten. Dass der Langlauf für Frauen heute weltweit eine Selbstverständlichkeit ist und der Frauen-Marathonlauf sogar olympisch wurde, hat großenteils seine Wurzeln in Waldniel.

Dennoch sollte in Waldniel auch ein wettkampforientiertes Bahntraining durchgeführt werden, was aber auf der zu kurzen provisorischen Laufbahn in Waldniel nicht möglich war. Auf Initiative van Aakens wurde im Jahr 1955 eine 400m-Aschenbahn mit 6 Bahnen gebaut. Diese Anlage ermöglichte die Durchführung von Meisterschaften und überregionalen Wettkämpfen.

Obwohl Dr. van Aaken bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt wurde und beide Beine verlor, setzte er sich weiter für seine Theorien ein und unternahm viele Vortragsreisen im In- und Ausland, bis er im April 1984 starb. In Würdigung des „Laufdoktors“ wurde das Waldnieler Gemeindestation am 26. August 1994 in „Dr. Ernst van Aaken-Stadion“ umbenannt. Auch der vom OSC jährlich durchgeführte Straßenlauf ist ihm gewidmet.

Im Juni 2012 berichtete das WDR-Fernsehen unter der Rubrik „Unsere Besten“ über den Vereinsgründer und Laufdoktor.

Im April 2017 berichtete der WDR in der Sendung „Quarks & Co.“ erneut über Dr. van Aaken.

Tolles Bildmaterial von den Marathonläufen in Waldniel und der durch Dr. van Aken angestoßenen Langlaufbewegung der Frauen findet sich auch in einem Beitrag des NDR.

Seit dem Herbst 2010 können die Sportlerinnen und Sportler des OSC Waldniels auf der neu erbauten Kunststoffbahn des Dr. Ernst van Aaken-Stadions trainieren.

Den Vereinsvorsitz hatte Dr. Ernst van Aaken bis 1972 inne, gefolgt von Hans Brüster bis 1975 und John Crisp. Über 40 Jahre leitete John Crisp die Geschicke des Vereins. Seit 2019 führt Heinz Küsters den Verein als 1. Vorsitzender.
Die Zahl der Mitglieder ist über die Jahre ständig gewachsen und hat sich bei ca. 400 eingependelt.

Das sportliche Angebot des Vereins basiert auf zwei Säulen. Auf der einen Seite steht der Wettkampfsport für Schüler, Jugendliche, Erwachsene und Senioren. Auf der Basis einer breiten leichtathletischen Ausbildung bei den Kindern folgt die disziplinspezifische Fokussierung in der Jugend. Hier spielt nach wie vor der Laufsport die wichtigste Rolle. Dank des langjährig tätigen Trainer-Teams, Maria Strickling und Antje Hass, konnten die Erfolge der früheren Jahre (14 Deutsche Meistertitel bis 1970) nicht nur im Seniorenbereich fortgesetzt werden, sondern auch insbesondere im Bereich der Schüler und Jugendlichen gelangen viele Erfolge bis hin zur nationalen Ebene. Die Bezeichnung „OSC-Talentschuppen“ ist des Öfteren in Leichtathletik-Kreisen zu hören!

Neben dem Wettkampfsport bildet der Breitensport die zweite Säule des Vereinsangebotes. Mit der Frauensportgemeinschaft (FSG) bietet der OSC Frauen in jedem Alter die Möglichkeit sich gesund und fit zu halten. Herz der FSG ist Rolf Strickling, der die Gruppe seit 1964 leitet und nun den Staffelstab an Heike Dúqúe übergeben hat.

Zweimal wöchentlich trifft sich der OSC-Lauftreff bereits seit 1978. Dieses Angebot ist auch für Nichtvereinsmitglieder offen. Der Lauftreff wird geleitet von Martina Lehmen-Scharff.

Eine Koronarsportgruppe wurde durch die Initiative von Dr. Georg Seifert und Maria Strickling im Jahre 1984 ins Leben gerufen. Daneben werden seit über 30 Jahren Interessenten auf die Abnahme des Deutschen Sportabzeichens vorbereitet. Ein Angebot, das ebenfalls allen Schwalmtaler Bürgern auch ohne Vereinsmitgliedschaft offensteht.

Das Bindeglied zwischen Wettkampf- und Breitensport bilden vielfältige Veranstaltungen (Ausflüge, Familienfeier, Weihnachtsfeiern u.v.m.), die die Mitglieder der verschiedenen Bereiche auch abseits des Sports zusammenbringen.

Mit großen Schritten ist der OSC Waldniel auf dem Weg zu seinem 70 jährigen Bestehen, das 2023 gefeiert wird.